Der Bankenbrief – Kompakt, informativ und ohne eigenen Rechercheaufwand.

Bankenbrief
Wichtiges vom 13. November 2017

Das Thema

Peters: Bei Bankenregulierung wird Verhältnismäßigkeit mit Füßen getreten

Der Bankenverband hat heute die zunehmende Regulierung der Geldhäuser und die damit einhergehende ausufernde Bürokratie beklagt. Als Beispiel nannte Verbandspräsident Hans-Walter Peters die neue Finanzmarkt-Richtlinie der Europäischen Union (EU). "MiFID II regelt viele sinnvolle Dinge, aber das Prinzip der Verhältnismäßigkeit wird teilweise mit Füßen getreten", sagte er. "So wichtig die Regulierung war, um den Bankenmarkt nach der Krise 2008 zu stabilisieren – jetzt hat sie ein Übermaß erreicht. Sie raubt uns Zeit und Kraft." Entlastung wünscht sich Peters zudem bei den Zinsen für kurzfristige Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Er forderte einen Freibetrag für die Überschussliquidität der Banken bei der EZB und eine Halbierung des negativen Einlagenzinses in Höhe von bislang 0,4 Prozent. "Beides würde eine deutliche Entspannung für die Banken bedeuten", sagte der Chef der Privatbank Berenberg. Mit Blick auf die europäische Einlagensicherung mahnte Peters, zunächst die Risiken in den jeweiligen Bankensektoren zu reduzieren und das Schutzniveau zu harmonisieren. Er regte auch Reformen der Währungsunion an. So sollte der Euro-Rettungsfonds ESM zu einem Europäischen Währungsfonds ausgebaut werden. Ein Euro-Finanzminister könnte zudem den Vorsitz der Eurogruppe übernehmen und die Eurozone nach außen vertreten. Von der EZB forderte Peters eine Kehrtwende: "Die makroökonomischen Daten rechtfertigen und die sich auftürmenden Risiken erzwingen einen wirklichen Kurswechsel in absehbarer Zeit – jedenfalls sehr viel schneller, als die EZB in Aussicht stellt." Mit Blick auf die Sondierungsverhandlungen in Berlin schrieb Peters den Parteien ins Stammbuch: "Deutschland braucht einen stabilen und zugleich prosperierenden Finanzplatz, und dieses Bekenntnis muss sich in einem Koalitionsvertrag wiederfinden."
finanzen.net     

Die Meldungen

Pfandbriefbank dämpft Erwartungen für 2018

Die pbb Deutsche Pfandbriefbank stellt sich auf ein für sie schwieriges kommendes Jahr ein. "Wir gehen davon aus, dass die Märkte herausfordernd bleiben. Die Effekte, die das Jahr 2017 begünstigt haben, können wir für das Jahr 2018 nicht als gegeben annehmen", teilte das Geldhaus heute mit. "Wir werden daher für 2018, insbesondere mit Blick auf die Risikokosten, wieder konservativ planen." Für 2017 hatte die pbb ihre Prognose für den Vorsteuergewinn Anfang dieses Monats auf 195 Millionen bis 200 Millionen Euro erhöht, nach zuvor 150 Millionen bis 170 Millionen Euro. Grund dafür war ein unerwartet gutes Ergebnis nach neun Monaten. Der Netto-Gewinn stieg in diesem Zeitraum auf 126 Millionen Euro.
n-tv.de     
finanzen.net     

Verivox will insolvente Outbank übernehmen

Das Vergleichsportal Verivox will laut eines Medienberichts von heute das Fintech-Unternehmen Outbank übernehmen. Der Gläubigerausschuss des insolventen Start-ups muss der Transaktion noch zustimmen. Ziel von Verivox sei es, mittels des Multibanking-Tools der Outbank zum digitalen Finanzassistenten seiner Kunden zu werden, hieß es.
finanz-szene.de     

Stiftung Warentest kritisiert teure Basiskonten

Einige Geldhäuser verlangen bis zu 328 Euro im Jahr für ein sogenanntes Basiskonto - das hat eine heute veröffentlichte Untersuchung der Stiftung Warentest ergeben. Die Stiftung hält 60 Euro jährlich für ein Girokonto für angemessen. Insgesamt wurden die Entgelte von mehr als 100 Instituten verglichen. Das Basiskonto ist für Menschen ohne festes Einkommen oder Wohnung gedacht.
wn.de     

Erste Bank startet Plattform George im Ausland

Das österreichische Geldhaus Erste Group wird seine Online-Banking-Plattform George vom kommenden Jahr an auch in anderen Ländern anbieten. Start ist zunächst im Januar in der Slowakei; Tschechien soll später folgen. Laut eines Medienberichts von heute können auch Drittanbieter wie Fintech-Unternehmen an der Plattform andocken. In Österreich nutzen bereits etwa 1,5 Millionen Kunden George. Deutsche Institute haben nach Angaben der Erste Group Interesse an der Übernahme der Plattform geäußert.

Griechische Banken könnten Abbauziele verfehlen

Ein Streik der griechischen Notare könnte die geplante Reduzierung ausfallgefährdeter Kredite bei den dortigen Geldhäusern gefährden. Laut eines Medienberichts von heute können Zwangsversteigerungen von Immobilien nicht mehr erfolgen. Notare weigern sich zurzeit, an Versteigerungen teilzunehmen, da sie wiederholt angegriffen worden waren. Der griechische Bankenverband befürchtet, dass der bis 2019 gegenüber den Gläubigern zugesagte Abbau von Non-Performing Loans (NPL) von mehr als 100 Milliarden Euro auf unter 65 Milliarden Euro verfehlt werden könnte. Zwangsversteigerungen sollen gut ein Drittel des Abbaus beisteuern.
nzz.ch     

ESMA warnt vor Cyber-Währungen

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat Anleger vor dem Erwerb von Internet-Währungen gewarnt. Investoren drohe ein Totalverlust, hieß es in einer Mitteilung der Behörde von heute. Die Börsengänge solcher Währungen – sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs) – seien unreguliert, intransparent und technologisch ungetestet.
finanzen.net     

Boni an der Wall Street könnten um 10 Prozent steigen

Erstmals seit 2013 könnten die Bonuszahlungen für Wall-Street-Banker wieder deutlich steigen. Laut eines Medienberichts von heute geht das aus Daten des auf Vergütungsfragen spezialisierten Unternehmens Johnson Associates hervor. Im Durchschnitt sei mit einer Erhöhung um zehn Prozent zu rechnen, hieß es.
wiwo.de     

Ifo-Studie: Weltwirtschaftsklima deutlich gestiegen

Der Index für das weltweite Geschäftsklima ist im vierten Quartal dieses Jahres um 3,9 auf 17,1 Punkte gestiegen. Das ist der höchste Stand seit dem Frühjahr 2011, teilte das Ifo Institut heute mit. "Die allmähliche Erholung der Weltwirtschaft dürfte damit an Schwung gewinnen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Für den Index wurden 1.100 Experten in 120 Ländern befragt.
spiegel.de     

Europäische Wirtschaftsentwicklung – IWF optimistisch

Der Internationale Währungsfonds (IWF) blickt sehr positiv auf das weitere Wirtschaftswachstum in Europa. "Die europäische Erholung hat sich verstärkt und merklich verbreitert", schrieb der IWF in einem heute veröffentlichten Ausblick. Das Wachstum in Europa liefere einen großen Beitrag zum globalen Wirtschaftswachstum, hieß es. Der IWF bezieht seine Aussagen auf Gesamt-Europa, nicht nur auf die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU).

Die Köpfe

Constâncio: Wirtschaftliche Erholung nicht überbewerten

EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio hat zu einer nüchternen Bewertung der wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone aufgefordert. Zwar gebe es einen breiten, robusten Aufwärtstrend, sagte er heute bei der Eröffnung der 20. Euro Finance Week in Frankfurt. Doch die positive Entwicklung dürfe nicht zu Selbstgefälligkeit führen. "Die Inflation ist nach wie vor unterhalb unseres Ziels."
finanzen.net     

Steffen: Müssen uns auf harten Brexit einstellen

Die bisherigen Brexit-Verhandlungen machen nach Einschätzung von Finanzstaatssekretär Thomas Steffen wenig Hoffnung auf einen geordneten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU). "Wir sollten uns alle darauf einstellen, dass der Worst Case tatsächlich im März 2019 passiert", sagte er heute bei der Euro Finance Week. Ende März 2019 endet die Zwei-Jahres-Frist, bis zu der London mit den EU-Staaten die Modalitäten der künftigen Zusammenarbeit verhandeln kann.

Schmettow: Viele Fintech-Unternehmen werden nicht überleben

Carola von Schmettow, Deutschland-Chefin der Großbank HSBC, rechnet mit dem Aus für viele der zurzeit rund 700 existierenden deutschen Fintech-Unternehmen. "Das große Fintech-Sterben wird noch kommen", sagte sie heute in Frankfurt. "Nur einige wenige Große werden überleben", prognostizierte sie. Ähnlich wie beim Auftreten der Biotech-Firmen vor einigen Jahren, von denen viele von großen Pharmakonzernen aufgekauft wurden, werde es auch bei den Fintechs sein.

Kirsch: Eigenkapitalregeln benachteiligen europäische Geldhäuser

Die neuen globalen Kapitalregeln für Banken werden zu höheren Belastungen für europäische als für amerikanische Geldhäuser führen. Das kritisierte heute der Chef der DZ Bank, Wolfgang Kirsch. "Dass im Moment gesagt wird, dass es ein guter Deal sei aus europäischer Sicht, den man da ausgehandelt hat, kann ich nicht nachvollziehen", sagte in Frankfurt. Er bemängelte, dass die Eigenkapitalanforderungen für viele Banken steigen würden.

Bankchefs uneins über Entwicklung von Bank-Arbeitsplätzen

Über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Bankbranche sind laut eines Medienberichts von heute einige Bankchefs unterschiedlicher Meinung. So rechnet Nordea-Chef Casper von Koskull damit, dass wahrscheinlich jeder zweite Arbeitsplatz bei Geldhäusern binnen zehn Jahren verloren geht. Johan Torgeby, Vorstandsvorsitzender der schwedischen Großbank SEB, erwartet hingegen eher mehr Beschäftigte. Einige Positionen würden überflüssig werden, aber neue würde entstehen und Mitarbeiter müssten umgeschult werden. Laut Birgitte Bonnesen, Chefin der Swedbank, werde es wohl Veränderungen bei der Zahl der Mitarbeiter geben, entscheidender seien aber die Veränderungen bei den Inhalten der Arbeit.
bloomberg.com     

Harker für Zinsschritt der Fed im Dezember

Der Chef der Niederlassung der US-Notenbank Federal Reserve (FED) in Philadelphia, Patrick T. Harker, hat für einen Zinsschritt im Dezember plädiert. Das sagte er heute in Tokio. Seiner Einschätzung nach habe die US-Wirtschaft zuletzt wie erwartet Fahrt aufgenommen. Außerdem gebe es auf dem Arbeitsmarkt nur noch wenig Spielraum für Verbesserungen. Zudem sagte Harker, Fed-Chefin Janet Yellen könnte als einfaches Direktoriumsmitglied bei der Fed bleiben, auch nachdem Jerome Powell ihr Nachfolger geworden sei.

Die Tweets des Tages
Herbst-Pressekonferenz des Bankenverbandes: #Bankenpräsident Peters warnt davor, die erfolgreiche Reform der #Einlagensicherung durch neue Risiken zu gefährden. /alt bit.ly/2AENDRF
twitter.com     

#Bankenpräsident Peters fordert zügige Halbierung des negativen Einlagenzinses der #EZB, um Banken zu entlasten. #ECB #Niedrigzinsen bit.ly/2zARi5g
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Private Banken sprechen sich für #Eurofinanzminister aus. #Währungsunion dauerhaft auf stabile Grundlage stellen. Herbstpressekonferenz mit Peters, HGFs Ossig und Krautscheid #ESM #EWWU bit.ly/2hww8Ot
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#Bankenpräsident Peters: Kleine und mittlere #Banken von überflüssiger #Bürokratie entlasten, Meldepflichten deutlich reduzieren! bit.ly/2AENDRF
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Am Freitag meistgeklickt

Stromfresser Bitcoin

Transaktionen per Bitcoin sind laut eines Medienberichts wahre Stromfresser. Jede benötigt 245 Kilowattstunden Strom. Mit derselben Menge Energie könnte man etwa 3.285 Stunden fernsehen. Wird der deutsche Strompreis zugrunde gelegt, kostet eine Transaktion rund 70 Euro, in China nur 23 Euro. Insgesamt verbrauchen die zur Generierung der Cyber-Währung notwendigen Rechenzentren 25,76 Terawatt Strom pro Jahr. Das entspricht in etwa dem Verbrauch Irlands.
faz.net     

Was morgen wichtig wird
Auf der Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) "At the heart of policy: challenges and opportunities of central bank communication" sind unter anderem die Notenbankchefs Janet Yellen (Federal Reserve), Mark Carney (Bank of England), Haruhiko Kuroda (Bank of Japan) und Mario Draghi, (EZB) vertreten. – Am zweiten Tag der 20. Euro Finance Week sprechen unter anderem Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret, Axel A. Weber, Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS, Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Sylvie Matherat, der ehemalige Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, und Danièle Nouy, Chefin der EZB-Bankenaufsicht. – Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das dritte Quartal sowie die Inflationsrate für Oktober. – Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) veranstaltet in Berlin die Konferenz "Electronic Payment – Chancen und Risiken für Verbraucher".

Der Nachschlag

Kartenzahlung lässt Ausgaben vergessen

Der Blick auf den Kontoauszug lässt manchen verzweifeln: Wo ist bloß das Geld geblieben? Erinnerungslücken können dabei durch Kartenzahlungen ausgelöst werden. Deutsche und österreichische Forscher haben nämlich herausgefunden, dass sich Menschen an Zahlungen mit Kredit- oder EC-Karten deutlich schlechter erinnern können als an Zahlungen mit Bargeld. "Eine genaue Erinnerung an vergangene Ausgaben wirkt sich auf die Bereitschaft aus, zukünftige Ausgaben zu tätigen", sagte Holger Roschk, einer der Studienautoren. Wie die Forscher vorgegangen sind und welche Auswirkungen die Studie auf das Design von Karten haben könnte, lesen Sie hier:
hna.de